Arbeitstreffen auf der Internationalen Fachmesse für Bergbautechnologien „Ugol Rossii & Mining“

Die 26. Internationale Fachmesse für Bergbautechnologien „Ugol Rossii & Mining“ vom 4. bis 7. Juni 2019 im russischen Nowokusnezk (knapp 600.000 Einwohner) bot den Rahmen für Fachgespräche zu zwei wichtigen Themengebieten auf dem Sektor der Rohstoffwirtschaft. Im Rahmen von Arbeitsgruppen und Podiumssitzungen standen die Themen „Rekultivierung, Ökologie und Beste Verfügbare Techniken im Bergbau“ und „Digitalisierung der Rohstoffindustrie“ im Fokus. Sowohl die Digitalisierung als auch die Rekultivierung werden in der Branche als wichtige Zukunftsthemen gesehen – geht es doch auch und gerade in Russland darum, die negativen Folgen des Bergbaus für Mensch und Umwelt durch Innovationen spürbar zu reduzieren. Umso mehr sollte es nun um mögliche Kooperationen gehen.

„Auf beiden Themengebieten besteht auf deutscher Seite eine immense Expertise, von der man in Russland profitieren kann – und möchte“, sagte Prof. Dr. Marian Paschke, Mitglied des Lenkungskreises des Deutsch-Russischen Rohstoff-Forums und Leiter der AG Digitalisierung. „Es geht darum, ins Gespräch zu kommen und sich regelmäßig auszutauschen, sodass perspektivisch aus den Überlegungen realistische Ansätze entstehen und es im Rahmen von Projekten zu beiderseitigen Kooperationen kommt.“

Ob Landstriche in Nordrhein-Westfalen, Sachsen oder Brandenburg – die Reihe deutscher Regionen, in denen sich frühere Berg- und Tagebaustätten in attraktive, kulturell genutzte Landschaften verwandelt haben, ist lang. Umso wertvoller sind die Erfahrungen und die gewonnene Expertise für vergleichbare Regionen in Russland, wo es zunehmend Bestrebungen gibt, vormalige Bergbaugebiete mithilfe von Rekultivierungsmaßnahmen wieder gesellschaftsfähig zu machen und die Biodiversität zu erhöhen. Zumal es in dem riesigen Land unzählige Flächen gibt, die derzeit nicht mehr nutzbar sind. Vor dem Hintergrund, dass russische Bergbaubetriebe seit Beginn des Jahres zudem eine integrierte Umweltgenehmigung auf Basis der „besten verfügbaren Techniken“ beantragen müssen und die Verordnung zahlreiche Nachrüstungsmaßnahmen – darunter auch im Bereich der Rekultivierung (Sanierung) – von Bergwerks- und Steinbruchbetreibern verlangt, ist die Expertise deutscher Unternehmen und der Wissenschaft umso mehr gefragt.

„In Deutschland existiert eine fast 30-jährige Erfahrung in der Bergbausanierung, weswegen wir weltweit nachgefragtes Know-how besitzen“, sagte Arbeitsgruppenleiter Prof. Dr. Carsten Drebenstedt, Professor für Berg- und Tagebau an der Technischen Universität Freiberg. „Der Umgang mit Themen wie Abfallbehandlung und Rekultivierung ändert sich derzeit in Russland, weswegen es auch vonseiten der Regierung verschiedene Maßnahmen gibt. Das Ziel unserer Arbeitsgruppe besteht deshalb darin, möglichst konkrete gemeinsame Projekte anzuschieben und die russische Seite von der deutschen Expertise profitieren zu lassen. Dazu benötigt es natürlich zuallererst Vertrauen. Nichtsdestotrotz wollen wir zügig vorankommen.“

Im Kreis des Runden Tisches in Nowokusnezk, der von Drebenstedt moderiert wurde, widmeten sich die Vertreter beider Nationen aktuellen Fragen der Bergbauindustrie und der Sanierung von Minen, Steinbrüchen und Deponien. Es wurden Best-Practice-Beispiele zur Halden- und Abfallbewirtschaftung gezeigt und Möglichkeiten sowie damit einhergehende Herausforderungen in der Rekultivierung von bergbaugeschädigten Landschaften diskutiert. „Im nächsten Schwerpunkt planen wir, uns mit der Wiederherstellung von Waldflächen in Bergbaugebieten und der Finanzierung von Rekultivierungsmaßnahmen zu beschäftigen werden, da uns von russischer Seite ein erheblicher Bedarf signalisiert wurde“, so Drebenstedt.

Unter der Überschrift „Digitalisierung im Bergbau – Perspektiven der deutsch-russischen Zusammenarbeit“ wandte man sich bereits am Tag zuvor, am 5. Juni 2019, einem weiteren aktuellen Branchenthema zu. Auf gemeinsame Einladung des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V. (VDMA), dem mit rund 3.200 Mitgliedern größten Industrieverband Europas, dem DeutschRussischen Rohstoff-Forum sowie der EnergieAgentur.NRW kamen zahlreiche Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen, um gemeinsam Potenziale der Digitalisierung für den Bergbausektor zu eruieren. Nachdem in verschiedenen Impulsvorträgen wertvolle Einblicke geliefert wurden, kam es anschließend zu einer Diskussion unter Repräsentanten der Wirtschaft und Wissenschaft. Die Teilnehmer kamen darüber überein, dass der Aufbau eines Netzwerkes aus Unternehmen und Wissenschaft im Bereich der Digitalisierung der Rohstoffwirtschaft vorangebracht werden soll. Man einigte sich auf das langfristige Ziel der Realisierung eines Pilotprojekts im Tagebeziehungsweise Untertagebau.

Moderiert wurde das Programm von Peter von Hartlieb von der EnergieAgentur.NRW, sowie Sven Flasshoff, dem Geschäftsführer des Verbindungsbüros des VDMA in Russland. Er unterstrich die Bedeutung des regelmäßig stattfindenden Dialogs zwischen beiden Ländern: „Vor dem Hintergrund, dass man auf russischer auch in Zukunft stark aus Kohleabbau setzt, gibt es nicht nur eine große Perspektive für den Bergbau, sondern damit einhergehende Chancen und Bestrebungen, digitale Technologien für sich zu nutzen.“ So könnten diese beispielsweise dazu beitragen, die Kostenstruktur positiv zu verändern und umweltschonender, variabler sowie effizienter zu arbeiten. Ein großes Thema sei zudem die Arbeitssicherheit, die mittlerweile auch in Russland an Bedeutung gewonnen hat. „Dank digitaler Systeme ist es beispielsweise möglich, in Echtzeit Daten zu sammeln und dadurch schnell auf mögliche Gefahren zu reagieren“, erklärte Flasshoff.

Beispielsweise könne die Digitalisierung Prozesse wie die Rauchgasreinigung optimieren und damit die Umwelteinwirkungen positiv beeinflussen. Mithilfe von Sensoren könnten auch mögliche Schäden an Fahrzeugen und der Abbautechnik erkannt und frühzeitige Reparaturmaßnahmen eingeleitet werden. Ein weiterer Pluspunkt – auch um Kostenstrukturen zu optimieren. „Insgesamt gibt es zahlreiche positive Aspekte, von denen die Wirtschaft, aber auch die Gesellschaft profitieren kann“, betonte Flasshoff, der persönlich ein sehr positives Fazit zog: „Es war ein sehr guter Austausch, der sehr erkenntnisreich und von einer überaus aktiven Teilnahme geprägt war.“

Der gemeinsame Dialog zur Digitalisierung in der Rohstoffwirtschaft wird ebenfalls im Rahmen der Deutsch-Russischen Rohstoff-Konferenz am 28./29. November dieses Jahres in St. Petersburg fortgesetzt.