3. Rohstoff-Konferenz 2010 in Dresden & Freiberg

Expertendialog im Jahr 1 nach der Weltfinanzkrise: „Rohstoffe gegen Entwicklung“ als neuer Weg der Versorgungssicherhei

Innovative Erschließung der zwei größten Rohstoffquellen: Energieeffizienz entlang der Rohstoffkette und zukunftsfähige Projekte bei Erneuerbaren Energien

Vom 17. bis 19. März 2010 wurde die älteste Montanuniversität der Welt zum Mekka für deutsche und russische Rohstoffexperten. Die 3. Deutsch-Russische Rohstoff-Konferenz brachte über 200 Teilnehmer aus Deutschland und der Russischen Föderation zusammen, die die vielfältigen Aspekte einer bilateralen strategischen Rohstoff-Partnerschaft beleuchteten. Unter dem Titel „Versorgungssicherheit bei Rohstoffen“ diskutieren Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik im Festsaal Alte Mensa der TU Bergakademie Freiberg, welche konkreten Beiträge beide Länder für eine auch künftig stabile und verlässliche Rohstoffversorgung leis-ten können und wollen.

„Auf dem diesjährigen Veranstaltungshöhepunkt des Deutsch-Russischen Rohstoff-Forums haben vor allem bilaterale, wirklich gemeinsame Vorhaben und Initiativen den Expertendialog geprägt.“, so der Schirmherr des Rohstoff-Forums Prof. Dr. Klaus Töpfer. Tatsächlich war und ist der Diskussionsbedarf zur Versorgungssicherheit bei Rohstoffen groß. Angefangen von neuen Technologien bei der Exploration und dem Transport von Rohstoffen über die Notwendigkeit stabiler geopolitischer Verhältnisse bis hin zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit bei der Verbesserung der Energieeffizienz – auf der 3. Deutsch-Russischen Rohstoff-Konferenz wurden einmal Mehr gemeinsame zukunftsträchtige Ideen für den Rohstoffsektor zusammengetragen.

Die an der Rohstoff-Konferenz teilnehmenden Experten vieler Fachgebiete waren sich darüber einig, dass das wechselseitige Interessengeflecht und die Forcierung der wissenschaftlich-technischen Kooperationen beider Partner auf dem Rohstoffsektor die beste Voraussetzung für die Stabilität und Verlässlichkeit bei der Rohstoffversorgung ist. Auf der Basis der traditionellen Zusammenarbeit beider Länder könne sich Deutschland mit Exporten von Hochtechnologie in die Russische Föderation einen hohen Grad an Versorgungssicherheit für den Import russischer Energie-Rohstoffe und Bodenschätze sichern. Die Strategie „Rohstoffe gegen Entwicklung“ wird laut Michail Aleksandrowitsch Sutjaginskij, Abgeordneter der Staatsduma der Russischen Föderation und Eigentümer des Mischkonzerns TITAN, von russischer und deutscher Seite „gleichsam akzeptiert“, wie er in seinem Konferenzvortrag betonte. Der frühere Unter-Generalsekretär der Vereinten Nation, Prof. Dr. Klaus Töpfer, bestätigt, dass ein solcher neuer Weg der Zusammenarbeit im Rohstoffsektor „keine Einbahnstraße“, sondern ein guter Ansatz zur Herstellung fairer und stabiler Beziehungen ohne einseitige Abhängigkeiten sei. (Interview mit der Freien Presse am 18.03.2010)

Der Vizepräsident der Staatsduma der Russischen Föderation, Valerij Jasew, der zugleich russischer Co-Schirmherr des Russisch-Deutschen Rohstoff-Forums ist, betonte erneut, dass die russische Administration verstärkt auf Erneuerbare Energien und die Nutzung modernster Technologien zur Energieeffizienz setzt. Dabei stehe – nicht zuletzt dokumentiert durch die Gründung der Russisch-Deutsche Energieagentur (RUDEA) – der Ausbau der deutsch-russischen Zusammenarbeit und deutsche Investitionen in diesen Bereichen im Vordergrund. Der Vorsitzende des Ausschusses für Finanzmärkte beim russischen Föderationsrat, Dimitrij Ananjew, forderte die deutsche Wirtschaft auf, sich an der Erkundung weiterer Rohstofflagerstätten, insbesondere bei Erdöl und Erdgas zu beteiligen. Das Investitionspotential läge bis zum Jahr 2030 bei rund 500 Milliarden Euro. Vertreter deutsche Industrieunternehmen und Kreditinstitute zeigten sich auch bereit, die Russische Föderation entlang der gesamten Wettschöpfungskette von Rohstoffen mit Wissen, Technik und Investitionen zu unterstützen. Die Repräsentanten der deutschen Wirtschaft, unter ihnen der Vorsitzende des Vorstandes der Linde AG, Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Reitzle, und der Vorsitzende des BDI-Ausschusses Rohstoffpolitik, der Unternehmer Ulrich Grillo, forderten im Gegenzug aber den weiteren Abbau von Handelshemmnissen. Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Cornelia Pieper, kritisierte die bestehenden Exportbeschränkungen für die deutsche Industrie in Russland. Subventionen für die russische Rohstoffindustrie und Exportzölle beeinträchtigten die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen in Russland. Zugleich widersprach sie dem Eindruck, dass Deutschland in Energiefragen zu sehr von der Russischen Föderation abhängig sei. „Russland ist mindestens so abhängig von Exporten nach Europa wie wir von Energieimporten aus Russland“, betonte Staatsministerin Pieper in ihrem vielbeachteten Redebeitrag.

Die Rohstoff-Konferenz reflektierte auch die Ergebnisse der Arbeitsgruppen des Rohstoff-Forums, deren Leiter für eine intensive Mitarbeit bei neuen Projekten und produktiver Teilhabe an bilateralen Forschungsvorhaben warben. Die Arbeitsgruppen „Technologie“, „Energieeffizienz und Erneuerbare Energien“ und „Chemie“ widmen sich der dabei insbesondere der weiteren Erschließung der zwei größten globalen Rohstoffquellen: der Energieeffizienz entlang der gesamten Wertschöpfungskette bei Rohstoffen und der Initiierung von innovativen Projekte bei der Nutzung alternativer Energien. „Die auf einer sehr guten wissenschaftlichen Basis gründenden Initiativen des Deutsch-Russischen Rohstoff-Forums sind Vorreiter einer wirklichen Modernisierungspartnerschaft zum beiderseitigen Vorteil. „Bei der Umsetzung der Projekte unserer Arbeitsgemeinschaften können die russischen Firmen von den Erfahrungen ostdeutscher Firmen und Kommunen bei der Modernisierung der Industrie und Infrastruktur nach der Wende profitieren.“, zeigt sich Prof. Dr.-Ing. Bernd Meyer, Rektor der TU Bergakademie Freiberg und Leiter der AG „Technologie“ vom Erfolg der bilateralen Zusammenarbeit überzeugt.

Neben der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft sind auch deutsch-russische Forschungsaktivitäten eine wichtige Säule der Tätigkeit des Rohstoff-Forums. Im Rahmen der Deutsch-Russischen Rohstoff-Konferenz fand auch die feierliche Unterzeichnung einer Absichtserklärung zur Gründung eines „Institutes für Nanomaterial-Produktion und –Technologie“ zwischen der TU Bergakademie Freiberg und zwei Moskauer Partneruniversitäten, der Staatlichen Lomonossow-Universität (MSU) und der Nationalen Universität für Wissenschaft und Technologie (MISIS), statt. Dabei geht es um die Forschung für die zukunftsträchtige Nutzung von Nanomaterialen, beispielsweise in den Bereichen Gesundheit und Werkstofftechnologie. Zugleich unterzeichnete die TU Bergakademie Freiberg im Beisein des Gouverneurs Leonid Polezhaew, eine Absichtserklärung für eine wissenschaftlich-technologische Kooperation mit der russischen Region Omsk. Die Kooperation soll sich auf die Veredelungstechniken für Erdöl und Erdgas, den Informationsaustausch im biotechnologischen Bereich und die Verbesserung der wirtschaftlichen Nutzung der Photovoltaik konzentrieren.