AG Rekultivierung, Umweltschutz und Beste Verfügbare Techniken (BVT) im Bergbau

(in Kooperation mit der GIZ)

Die AG befasst sich mit der Herausforderung von Rekultivierungsmaßnahmen in Russland und Deutschland, insbesondere vor dem Hintergrund gestiegener russischer Anstrengungen in diesem Bereich und der vorhandenen Kompetenz in Deutschland (v.a. Freistaat Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg). Daneben bringt die AG bei der bis 2019 gesetzlich vorgeschriebenen Einführung von BVT (beste verfügbare Technologien) im Umweltbereich in Russland die deutsche Perspektive ein.

AG-Leitung
Prof. Dr. Carsten Drebenstedt, Technische Universität Bergakademie Freiberg

Arbeitstreffen der AG

Ob das Leipziger Neuseenland oder Mitteldeutschlands größter Freizeitpark BELANTIS – in Sachsen gibt es zahlreiche positive Beispiele für die Umwandlung früherer Bergbaugebiete. Dass die hiesigen Vorzeigeprojekte im Bereich der Rekultivierung im Bergbau international Interesse erzeugen, zeigte sich an der hochkarätig besetzten Delegation aus Russland, die am 24. und 25. September 2019 zu Gast in Leipzig in war. Das Deutsch-Russische Rohstoff-Forum und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH initiierten ein deutsch-russisches Treffen der Arbeitsgruppe „Rekultivierung, Umweltschutz und Beste Verfügbare Techniken (BVT) im Bergbau“. Unter den Gästen aus Russland befanden sich u.a. Repräsentanten des russischen Energieministeriums, der Bergbauuniversität St. Petersburg, der Nationalen Universität für Wissenschaft und Technologie „MISiS“ sowie verschiedene Wirtschaftsvertreter, darunter Unternehmen wie Nornickel oder Polymetal.

„Leipzig ist in vielfacher Hinsicht ein gutes Ziel für das Thema Rekultivierung im Bergbau, denn, obwohl man es nicht mehr sieht, befinden wir uns hier in einer früheren Bergbauregion, in der in großem Maße Braunkohle abgebaut wurde“, sagte Prof. Dr. Carsten Drebenstedt, Leiter der Arbeitsgruppe. „Dass man die Spuren der Bergbauvergangenheit nicht mehr wahrnimmt, ist ein sehr gutes Indiz dafür, dass es gelungen ist, die Bergbaurekultivierung mit den Vorzügen einer Großstadt in Einklang zu bringen. Hier wurde der Wandel vom Rohstoffabbau zur erfolgreichen Nachnutzung dieser Landschaften vollzogen.“

Am ersten Tag des zweitägigen Treffens führte Drebenstedt gemeinsam mit seiner russischen Co-Vorsitzenden Nataliya Gonchar, Vizepräsidentin der Russian Copper Company, durch die Rundtisch-Gespräche. In den Räumlichkeiten der Leipziger VNG AG ging es zunächst darum, sich durch Vorträge und den gemeinsamen Austausch fachlich an die Thematik heranzutasten. Gonchar, die in Ihrem Unternehmen auch für Umwelt- und Arbeitssicherheit zuständig ist, betonte, dass nachhaltige Rekultivierung heutzutage ein Muss sei und man sie nicht hinauszögern dürfe: „Wir müssen jetzt damit beginnen. Dafür brauchen wir den intensiven Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, denn es bedarf einer ausgewogenen Balance zwischen ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten.“ Sie verwies auch auf die veränderte Gesetzeslage in ihrem Land, wo es seit diesem Jahr strengere Auflagen für Unternehmen in Bezug auf Rekultivierung gibt. „Dafür werden modernste Technologien benötigt. Umso wertvoller ist dieser zweitägige Austausch hier in Leipzig, denn wir sind sehr interessiert daran, zu erfahren, welche Erfahrungen und welche Technologien perspektivisch in Russland genutzt werden können.“

Den ersten thematischen Schwerpunkt der Sitzung bildete die Verfahrensweise zur Inanspruchnahme und Wiederherstellung von Waldflächen in Bergbaugebieten. Dazu sprachen Elena Bizina, Leiterin der Abteilung für Umweltentwicklung der „UK Polyus“, sowie Dr. Dirk Knoche, stellvertretender Direktor des Forschungsinstituts für Bergbaulandschaften Finsterwalde. Er erörterte die Wiederaufforstung im ehemaligen Braunkohlebergbau Ostdeutschland und die Relevanz des Bodens für eine nachhaltige Pflanzenkultivierung: Entscheidend ist ein geeignetes Bodensubstrat im Oberboden, also dem Wurzelbereich, dessen Zusammensetzung je nach Bodenbeschaffenheit variieren muss. Auch die Baumarten werden nach Maßgabe der Bodenuntersuchung ausgewählt, unter Bevorzugung heimischer klimaangepasster Baumarten.

Weiterer Diskussionsgegenstand waren die Wasserbehandlung: Felix Bilek, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Dresdner Grundwasserforschungszentrums e.V., stellte mögliche Verfahrensweisen in diesem Bereich vor. Peter Jolas, Leiter Umweltschutz und Geotechnik der MIBRAG, konzentrierte sich in seinem Vortrag auf den Leipziger Südraum, der durch bergbauliche Wasserhaltungsmaßnahmen beeinflusst wurde: 1992 wurden sowohl ein Grundwasserdefizit, als auch negative Auswirkungen der Stoffumwandlungsprozesse festgestellt. Die MIBRAG setzte daraufhin Maßnahmen um, die eine modellgeschützte Entwässerungsplanung mit dem Ziel der Minimierung des Eingriffs in den Wasserhaushalt, die Nutzung des Tagebausümpfungswassers im regionalen Einzugsgebiet, die Reduzierung des Eiseneintrags in Oberflächengewässer durch Behandlung des Tagebausümpfungswassers sowie eine Minderung der Auswirkungen auf das Kippgrundwasser durch gezieltes Verkippungsmanagement vorsahen. Von russischer Seite sprach zum Thema Wasserbehandlung Svetlana Lemanova, Leiterin der Abteilung Umweltschutz der AO Polymetal.

Der dritte Themenbereich bestand in der Planung von Rekultivierungsmaßnahmen. Andreas Berkner, Leiter der regionalen Planungsstelle Leipzig von der RPV-Westsachsen, stellte das Leipziger Neuseenland als erfolgreiches Beispiel für den Wandel vom aktiven Bergbau zu einer „Landschaft nach der Kohle“ vor dem Hintergrund des mit dem Strukturwandel einhergehenden Ausstiegs aus der Braunkohle vor. Weitere Erfahrungen auf diesem Gebiet stellte von russischer Seite Evgeniy Scheglov, Leiter der Abteilung Ökologie der UK Polyus, vor. Den Abschluss des Sitzungstages bildete das Thema Rekultivierung von Rückstandshalden. Hier präsentierten Vertreter der GUB AG die Sanierung und Rekultivierung der industriellen Absetzanlage Borbachtal sowie weitere Projekte ihres Unternehmens.

Die deutsche Expertise konnte von den AG-Teilnehmern am zweiten Tag im Rahmen der durchgeführten Exkursionen begutachtet werden. So machten sie sich ein Bild von der aktiven Rekultivierung im Tagebau Schleenhain der MIBRAG AG, der Sanierung des ehemaligen Uran-Bergbaus im Tagebau Lichtenberg der Wismut oder der abgeschlossenen Rekultivierung im Leipziger Neuseenland, das früher zahlreiche Tagebauen beherbergte und heutzutage mit seinen zahlreichen Seen zu einem Magneten für einheimische Badegäste und Touristen geworden ist.

Valerij Grishin, Leiter der Abteilung für Arbeitssicherheit und Umwelt in der Kohleindustrie im Energieministerium der Russischen Föderation, bekräftigte, dass man seitens der russischen Regierung die Situation in der Bergbauindustrie verbessern und gleichzeitig den Umweltschutz erhöhen möchte. „Die ökologische Modernisierung zählt zu den wichtigsten staatlichen Aktivitäten. Uns geht es um eine effiziente Gewinnung von Bodenschätzen und darum, den Schaden beim Abbau zu minimieren.“ Er verwies darauf, dass der Staat eigene Initiativen gestartet habe, um umweltschützende Maßnahmen zu fördern. Gleichzeitig lobte er die Bemühungen der Arbeitsgruppe und des Deutsch-Russischen Rohstoff-Forums, den Dialog zwischen deutschen und russischen Branchenvertretern zu unterstützen.

Die Gespräche werden bei der Deutsch-Russischen Rohstoff-Konferenz vom 27. bis zum 29. November 2019 in St. Petersburg/Russland fortgesetzt. Dort erhoffen sich die Verantwortlichen auch das Zustandekommen erster Pilotprojekte.

Die 26. Internationale Fachmesse für Bergbautechnologien „Ugol Rossii & Mining“ vom 4. bis 7. Juni 2019 im russischen Nowokusnezk (knapp 600.000 Einwohner) bot den Rahmen für Fachgespräche zu zwei wichtigen Themengebieten auf dem Sektor der Rohstoffwirtschaft. Im Rahmen von Arbeitsgruppen und Podiumssitzungen standen die Themen „Rekultivierung, Ökologie und Beste Verfügbare Techniken im Bergbau“ und „Digitalisierung der Rohstoffindustrie“ im Fokus. Sowohl die Digitalisierung als auch die Rekultivierung werden in der Branche als wichtige Zukunftsthemen gesehen – geht es doch auch und gerade in Russland darum, die negativen Folgen des Bergbaus für Mensch und Umwelt durch Innovationen spürbar zu reduzieren. Umso mehr sollte es nun um mögliche Kooperationen gehen.

„Auf beiden Themengebieten besteht auf deutscher Seite eine immense Expertise, von der man in Russland profitieren kann – und möchte“, sagte Prof. Dr. Marian Paschke, Mitglied des Lenkungskreises des Deutsch-Russischen Rohstoff-Forums und Leiter der AG Digitalisierung. „Es geht darum, ins Gespräch zu kommen und sich regelmäßig auszutauschen, sodass perspektivisch aus den Überlegungen realistische Ansätze entstehen und es im Rahmen von Projekten zu beiderseitigen Kooperationen kommt.“

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Ob Landstriche in Nordrhein-Westfalen, Sachsen oder Brandenburg – die Reihe deutscher Regionen, in denen sich frühere Berg- und Tagebaustätten in attraktive, kulturell genutzte Landschaften verwandelt haben, ist lang. Umso wertvoller sind die Erfahrungen und die gewonnene Expertise für vergleichbare Regionen in Russland, wo es zunehmend Bestrebungen gibt, vormalige Bergbaugebiete mithilfe von Rekultivierungsmaßnahmen wieder gesellschaftsfähig zu machen und die Biodiversität zu erhöhen. Zumal es in dem riesigen Land unzählige Flächen gibt, die derzeit nicht mehr nutzbar sind. Vor dem Hintergrund, dass russische Bergbaubetriebe seit Beginn des Jahres zudem eine integrierte Umweltgenehmigung auf Basis der „besten verfügbaren Techniken“ beantragen müssen und die Verordnung zahlreiche Nachrüstungsmaßnahmen – darunter auch im Bereich der Rekultivierung (Sanierung) – von Bergwerks- und Steinbruchbetreibern verlangt, ist die Expertise deutscher Unternehmen und der Wissenschaft umso mehr gefragt.

„In Deutschland existiert eine fast 30-jährige Erfahrung in der Bergbausanierung, weswegen wir weltweit nachgefragtes Know-how besitzen“, sagte Arbeitsgruppenleiter Prof. Dr. Carsten Drebenstedt, Professor für Berg- und Tagebau an der Technischen Universität Freiberg. „Der Umgang mit Themen wie Abfallbehandlung und Rekultivierung ändert sich derzeit in Russland, weswegen es auch vonseiten der Regierung verschiedene Maßnahmen gibt. Das Ziel unserer Arbeitsgruppe besteht deshalb darin, möglichst konkrete gemeinsame Projekte anzuschieben und die russische Seite von der deutschen Expertise profitieren zu lassen. Dazu benötigt es natürlich zuallererst Vertrauen. Nichtsdestotrotz wollen wir zügig vorankommen.“

Im Kreis des Runden Tisches in Nowokusnezk, der von Drebenstedt moderiert wurde, widmeten sich die Vertreter beider Nationen aktuellen Fragen der Bergbauindustrie und der Sanierung von Minen, Steinbrüchen und Deponien. Es wurden Best-Practice-Beispiele zur Halden- und Abfallbewirtschaftung gezeigt und Möglichkeiten sowie damit einhergehende Herausforderungen in der Rekultivierung von bergbaugeschädigten Landschaften diskutiert. „Im nächsten Schwerpunkt planen wir, uns mit der Wiederherstellung von Waldflächen in Bergbaugebieten und der Finanzierung von Rekultivierungsmaßnahmen zu beschäftigen werden, da uns von russischer Seite ein erheblicher Bedarf signalisiert wurde“, so Drebenstedt.

Am 25. April 2019 diskutierte die AG unter der Themenstellung „Nachhaltige Entwicklung der Bergbauindustrie und Einführung der besten verfügbaren Techniken (BVT) – Herausforderungen und Best Practice“ auf einer Paneldiskussion im Rahmen der MiningWorld Russia. Diese wurde von dem Deutsch-Russischen Rohstoffforum in Kooperation mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) organisiert.

Paneldiskussion auf der MiningWorld Russia im April 2019

Im November 2018 griff die AG diese Themen bei einer Rund-Tisch Diskussion im Rahmen der 11. Deutsch-Russischen Rohstoff-Konferenz auf. Die konkrete Planung wie wirtschaftliche Durchführung von Rekultivierung wurde ebenfalls in Augenschein genommen.

Einen Beitrag zu der Rund-Tisch Diskussion finden Sie hier:

Rund-Tisch Diskussion, Rohstoff-Konferenz 2018 in Potsdam

Im April 2018 fand in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Moskau das erste Treffen der Arbeitsgruppe statt. Als Ergebnis einer offenen Diskussion hat sich die AG darauf verständigt, das Thema Technologien zur Wasserbehandlung und Wasserreinigung im Bergbau vertieft zu behandeln. Zudem wird sich die AG auf die Kooperation bei Monitoring-Systemen und Besten Verfügbaren Techniken (BVT) im Bergbau konzentrieren.